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Volles Haus beim Angestelltengespräch 2015

Angestellte diskutieren über die weitere "Digitalisierung der Arbeitswelt" und die weiteren Auswirkungen auf die Arbeitszeit

Am Mittwoch, 20. Mai 2015, konnte der 2. Bevollmächtigte, Guido Lesch, rund 130 Gäste beim Angestelltengespräch 2015 in der Dillinger Stadthalle begrüßen. Der rege Besuch zeigte, dass das Problembewusstsein, was Arbeitszeit in den Betrieben anbelangt, vorhanden ist.

Guido Lesch, 2. Bevollmächtigter IG Metall Völklingen
Dr. Hilde Wagner, Ressortleiterin Tarifpolitische Themen und Handlungsfelder beim Vorstand der IG Metall

In seiner Begrüßungsrede betonte Lesch, dass mit der Digitalisierung mehr und mehr das Risiko von Arbeitszeit, Arbeitszeitverlängerung und unbezahlte Arbeitszeit auf den einzelnen Beschäftigten verlagert wird, wenn er zu Hause oder wo auch immer mobil arbeitet.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt bringt es mit sich, dass viele Angestellte in Zukunft nicht mehr zur gleichen Zeit, am gleichen Ort, im gleichen Betrieb sein müssen, um sich in Arbeitsprozesse einzubringen. Arbeit und Arbeitszeit werden entgrenzt. Diese Entwicklung bedeutet für Betroffene, für Betriebsräte und für die IG Metall eine große Herausforderung.

Dr. Hilde Wagner, Ressortleiterin Tarifpolitische Themen und Handlungsfelder beim Vorstand der IG Metall, erläuterte den KonferenzteilnehmerInnen die Ergebnisse der großen Beschäftigtenbefragung der IG Metall. Die Ergebnisse dieser Befragung seien eindeutig. Ein Großteil der Beschäftigten möchte auch in Zukunft eine Regelarbeitszeit auch von unter 35 - 40 Stunden. Beschäftigte wollen Arbeitszeiten angepasst an ihre Lebensphase. Jüngere wollen sich mehr um ihre Kinder kümmern, Ältere wollen mehr Freiräume z.B. für den Erhalt der Gesundheit und die Pflege der Eltern. Viele Beschäftigte wollen auch Freiräume für ihre Weiterbildung.

"Die IG Metall wird", so Hilde Wagner, "die Arbeitszeitdebatte auf die Tagesordnung setzen und spätestens für den Gewerkschaftstag, der im Oktober dieses Jahres in Frankfurt stattfindet, eine neue Arbeitszeitdebatte anstoßen."

Dr. Steffen Lehndorff, Institut Arbeit und Qualifikation / Universität Duisburg-Essen

Dr. Steffen Lehndorff, vom Institut Arbeit und Qualifikation / Universität Duisburg-Essen, betonte in seinem interessanten Vortrag, dass wir heute durch die Digitalisierung in der Arbeitswelt, Arbeit und Arbeitszeit so entgrenzt haben, dass es schwer ist eine einheitliche Arbeitszeitpolitik vorzugeben.

Die Arbeitszeitinteressen der Menschen sind in den verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich. Lehndorff arbeitete auch heraus, das in der langen Geschichte der Arbeitszeitpolitik in unserer Industriegesellschaft stets Tarifverträge, aufbauend auf dem Arbeitszeitgesetz, den Rahmen für Beschäftigte vorgaben.

Seit Beginn der Digitalisierungs- und Flexibilisierungsdebatte ist die Arbeitszeit so ausgeufert, dass die engen Grenzen wie z.B. 7-Stunden-Tag / 35-Stunden-Woche in vielen Bereichen in der Praxis gesprengt werden.

Der Betriebsrat dürfe nicht gegenüber den Beschäftigten "Arbeitszeitpolizei" spielen, so Lehndorff. Der Betriebsrat müsse insbesondere das Management in die Verantwortung nehmen, damit die Grenzen der Arbeitszeit eingehalten werden.

Das Arbeitszeitgesetz, der Tarifvertrag, die Betriebsvereinbarung können was Arbeitszeit anbelangt noch so gut sein, wenn der Geist der Vereinbarung nicht gelebt wird, haben sie keinen Wert. Deshalb fordert Lehndorff, dass IG Metall und Betriebsräte in jedem Betrieb mit den Beschäftigten ein neues Arbeitszeitbewusstsein entwickeln, um entsprechende Arbeitszeitkonzepte zu gestalten.

Handlungsorientierung, was die Arbeitszeitdebatte anbelangt, hat man auf vier Ebenen:

  1. Arbeitszeitgesetz
    Hier wollen die Arbeitgeber die tägliche Höchstarbeitszeit streichen, um eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu regeln. Mit diesem Regelwerk wäre noch mehr Tür und Tor für weitere Flexibilisierungsmöglichkeiten geöffnet. Steffen Lehndorff merkte an, dass es Länder in Europa gibt, die die gesetzliche wöchentliche Arbeitszeit auf 40-Stunden festgelegt haben. Hier könne auch in Deutschland eine entsprechende Initiative gestartet werden.
  2. Tarifvertrag
    Die Konferenz war sich einig, dass das Thema auch in der Tarifpolitik wieder ein Schwerpunktthema werden muss. Roland Seinsoth, freigestelltes Betriebsratsmitglied bei der AG der Dillinger Hüttenwerke und Vorsitzender des bezirklichen Angestelltenausschusses, Roman Riegler, freigestellter Betriebsratsvorsitzender bei FLSmidth Wadgassen und Vorsitzender des Angestelltenausschusses Völklingen, sowie KonferenzteilnehmerInnen bemerkten in ihren Diskussionsbeiträgen, das bei der wichtigen Arbeitszeitdebatte es auch darum gehen muss, welche Arbeitsinhalte in welcher Zeit abgearbeitet werden sollen.
    Roman Riegler betonte: "Man kann nicht mit dem Tempo eines 100-Meter-Läufers einen Marathon laufen! Aber gerade dies ist das aktuelle Problem in den Betrieben. In der verfügbaren Arbeitszeit bekommen Beschäftigte zu viele Projekte aufgedrückt."
    Roland Seinsoth formulierte es so: "Das Problem ist der ständige Leistungsdruck und die permanent steigenden Vorgaben, die in der vorgegebenen Arbeitszeit nicht abzuarbeiten sind. Von daher brauchen wir auch eine qualifizierte Diskussion über Arbeitsinhalte und -zeit."
  3. Betriebsvereinbarungen
    Im Rahmen der Betriebsvereinbarungen kann man intensiv auf die Bedürfnisse des jeweiligen Betriebes eingehen, aber auch auf die Bedürfnisse der Beschäftigten. Wichtig bei dieser Diskussion war es gewesen, dass die Bedürfnisse der Beschäftigten den betrieblichen Interessen immer hinten angestellt werden.
  4. Arbeitsvertrag
    Insbesondere Absolventen von Hochschulen sind bereit extrem hohe Arbeitszeiten ohne Bezahlung in Kauf zu nehmen. Auch hier müssen mehr Mitbestimmungsrechte von Betriebsräten umgesetzt werden, um ausufernde Arbeitszeiten wieder auf normales Maß zu bringen. Psychische Krankheitsbilder bis hin zu Burnout steigen in den letzten Jahren erheblich an. Man war sich einig, dass Arbeitszeiten und Gesundheitsschutz mehr verzahnt werden muss.

Der Betriebsratsvorsitzender der Saarstahl AG Werk Völklingen, Stephan Ahr, betonte, dass in seinem Betrieb die engen Grenzen des Gesetzes und der Tarifverträge hochgehalten werden. Die 35-Stunden-Woche ist ein hohes Gut und eine gute Errungenschaft der Beschäftigten. Es gibt keinen Grund die 35-Stunden-Woche bei einer Arbeitszeitdebatte zu opfern. Es gibt weiterhin keinen Grund auf Mehrarbeitszuschläge zu verzichten. Arbeitszeit und Geld sind Teil des sozialen Besitzstandes der Beschäftigten.

Es muss sich wieder in den Betrieben ein stärkeres Selbstbewusstsein verfestigen, dass alle auch mobile Arbeit außerhalb der normalen Arbeitszeit erstens dokumentiert und zweitens auch bezahlt werden muss. Unternehmer fordern von uns mehr unternehmerisches Denken. Ist es für den Einzelnen unternehmerisch gedacht, wenn er seine Arbeitszeit verschenkt?

Gisela Tiefensee-Naaber, Betriebsratsvorsitzende von Motus Headliner, meinte man sollte sich grundsätzlich auf folgende Basis einigen: Eine jede Arbeitszeit, auch die die ggf. zu Hause stattfindet, muss erfasst werden, egal wo und wann sie ausgeführt wird. Die Arbeitszeit müsse geregelt sein und geleistete Arbeitszeit müsse auch bezahlt werden. Egal ob sie von einem AT-Angestellten oder von einem Tarifangestellten geleistet werde. Arbeitszeit sei auch Teil des sozialen Besitzstandes, da hätten wir nichts zu verschenken. Die Aufgabe der Betriebsräte müsse es dann sein, auch gegenüber dem Arbeitgeber zu überwachen, dass diese Regeln inklusiv Arbeitszeitgesetz und Tarifvertrag eingehalten und umgesetzt werden. Man verlangt von den Mitarbeitern immer unternehmerisches Denken, wo bleibt dann das unternehmerische Denken bei sich selbst, wenn man geleistete Arbeit unbezahlt verschenkt.

Man war sich einig, dass diese begonnene wichtige Diskussion, über die Digitalisierung der Arbeitswelt und die Auswirkungen auf unsere Arbeitszeit und -inhalte, eine spannende Herausforderung ist, für Beschäftigte optimale Lösungen zu entwickeln.

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