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08.07.15 News

Verzinkerei Coatinc Becker kündigt betriebsbedingt!

Gleichzeitig entsteht auf dem Lisdorfer Berg ein neues Werk der Unternehmensgruppe. Eine älter werdende Belegschaft wird abgelöst - womöglich auch durch Leiharbeit und Werkverträge.


Saarbrücker Zeitung vom 04.07.2015

Es ist schon eine seltsame Betriebsratssitzung an diesem Dienstag, dem 23. Juni 2015. Seit Monaten versucht der Betriebsrat an Informationen heranzukommen, wie sich der durch das Unternehmen beabsichtigte Neubau im neuen Industriegebiet am Lisdorfer Berg auf die aktuelle Personalsituation in Fraulautern auswirke. Doch trotz mehrfacher mündlicher wie schriftlicher Anfragen gab es keinerlei verwertbare Informationen von dem Geschäftsführer der Coatinc Becker GmbH, Hans Georg Alff.

Unklar ist, ob er nichts sagen will oder von Seiten der Holding nichts sagen darf. Wie dem auch sei, verantwortungsvolles Handeln für eine Belegschaft sieht anders aus. Auch die Unternehmensleitung der "Coatinc Company Holding GmbH" mit Sitz in Siegen hielt es bis dato nicht für nötig, die zum Teil jahrzehntelang beschäftigten Mitarbeiter über die Pläne im Unternehmen zu unterrichten. Die Sorgen und Existenzängste der Beschäftigten nehmen seitdem von Monat zu Monat immer weiter zu. Zu Recht wie sich jetzt herausstellte. Auch am 23. Juni 2015 bekam der Betriebsrat der Coatinc Becker keinerlei Informationen zu dieser Angelegenheit, dafür aber fünf betriebsbedingte Kündigungen. Erst der Anfang, wie Gewerkschaftssekretär Lars Desgranges von der IG Metall Völklingen zu glauben meint.

Die Ängste der Belegschaft und die Ängste des Betriebsrates in den letzten Monaten waren begründet, dies zeigt eindeutig die jüngste Handlung der Geschäftsführung, so Desgranges. Mit Sicherheit ist die Marktsituation der Branche keine leichte, Billiganbieter machen den Marktpreis kaputt, es tobt ein heftiger Konkurrenzkampf der zumeist damit geführt wird, wer die schlechtesten Arbeitsbedingungen, die billigsten Löhne und die größtmögliche Flexibilität hat. Schon im Jahr 2005 hat sich Coatinc Becker (damals Verzinkerei Becker) aus der Tarifbindung der Metall- und Elektroindustrie gelöst. Seit dieser Zeit sind die Löhne und Gehälter der heute ca. 60 Beschäftigten kaum gestiegen, so dass inzwischen eine Lücke von über 25 Prozent zum aktuellen Tarifvertrag besteht. Doch auch diese Maßnahme die von Seiten der IG Metall und des Betriebsrates heftig kritisiert wurde führte wohl nicht zum gewünschten Erfolg.

An anderen Standorten des Unternehmens wurden ganze Belegschaften abgelöst durch günstigere Leiharbeitnehmer und Werkvertragsunternehmen. Diese Praxis ist seit nunmehr zehn Jahren die Geschäfts- und Personalpolitik der Verantwortlichen um den geschäftsführenden Gesellschafter Paul Niederstein. Die IG Metall Völklingen vermutet, dass diese Auffassung der Personalpolitik nun auch nach Saarlouis übertragen werden soll.

Das neue Werk, das für viele Millionen Euro auf dem Lisdorfer Berg entsteht, könnte nach Meinung von Desgranges zu einem gewerkschafts- und betriebsratsfreien Raum werden. Dies wird die IG Metall nicht mitmachen. Die gut organisierte Belegschaft der Coatinc Becker und die fünf IG Metall Betriebsräte sollen wohl nach und nach abgebaut werden. Desgranges sieht daher die Kündigungen als erste Maßnahme dieser Art, es ist zu befürchten, dass weitere Kündigungen sehr bald folgen werden. Ziel der Unternehmensverantwortlichen dürfte es sein nur diejenigen Mitarbeiter mit ins neue Werk zu nehmen die jung, leistungsstark und gesund sind. Die Befürchtung dass ein erheblicher Teil der jetzigen Belegschaft abgebaut wird und ein Großteil der neuen Belegschaft nicht in regulären Beschäftigungsverhältnissen sondern in Leiharbeit und Werkvertragsarbeit beschäftigt werden ist groß.

"So kann man mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht umgehen, daher fordert die IG Metall die Entscheider innerhalb der Geschäftsführung zum Umdenken auf", so Robert Hiry, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Völklingen. "Mitarbeiter die über Jahrzehnte ihre Gesundheit und ihre ganze Kraft für die Verzinkerei geopfert haben dürfen bei dem Umzug auf den Lisdorfer Berg nicht auf der Strecke bleiben. Unabhängig wie die neue Firma rechtlich in das Unternehmen integriert werden soll, ist die Übernahme der heutigen Beschäftigten ein Akt des Anstandes der Geschäftsführung, die IG Metall wir sowohl juristisch als auch politisch dies mit Nachdruck einfordern" so Hiry.

Die Geschäftsführer des Unternehmens Paul Niederstein, Philippe Dupont, Dr. Ulrich Wellen und der Geschäftsführer der Coatinc Becker GmbH Hans Georg Alff sind aufgefordert mit Betriebsrat und IG Metall den Fortbestand des Saarlouiser Standortes und den Fortbestand der heutigen Beschäftigten zum Wohle von Betrieb und Mitarbeiter zu vereinbaren. Die betriebsbedingten Kündigungen sind zurückzunehmen!


 

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