Das Online-Angebot der IG Metall Völklingen

SZ: Nur noch das Gammelfleisch des Arbeitsmarktes

Saar-Metaller gehen mit Berliner Sozialpolitik hart ins Gericht - Am 21. Oktober Demonstration in Frankfurt

Die saarländische IG Metall macht gegen die Sozialpolitik der großen Koalition in Berlin mobil. Vor allem die geplante Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre wird scharf kritisiert.

Kirkel. Hart ins Gericht mit der Sozialpolitik der Bundesregierung sind gestern die Vertrauensleute der saarländischen IG Metall gegangen. Bei einer Konferenz aller Ortsvorstände der vier saarländischen IG Metall-Verwaltungsstellen wurde vor allem die geplante Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre scharf angegriffen. "Die Arbeitslosen über 60 Jahren sind doch nur noch das Gammelfleisch des Arbeitsmarktes", empörte sich einer der Gewerkschaftsfunktionäre. In den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie, wo die Arbeitsproduktivität ständig gesteigert worden sei, gebe es bereits heute keine Möglichkeit mehr, ältere Arbeitslose noch adäquat zu beschäftigen. Doch dem Leistungsdruck in den Betrieben hielten nicht nur ältere Kollegen nicht mehr stand; immer mehr jüngere Mitarbeiter litten an psychischen Erkrankungen, wurde gesagt.

Ein anderer Metaller rechnete vor, dass im Augenblick das Durchschnittsalter bei den Ford-Werken in Saarlouis bei knapp 50 Jahren liege. Bereit jetzt seien bei einem Zehntel der Belegschaft Leistungseinschränkungen zu verzeichnen. Kaum vorstellbar, dass diese Leute alle bei einem Wegfall der Altersteilzeit bis zum 67. Lebensjahr arbeiten müssten: "Wir wissen nicht mehr, was mit denen passieren soll." Insofern sei der Vorschlag der Erhöhung des Renteneintrittsalters "ein Skandal". Ein weiterer Vertrauensmann legte dar, dass bei der Firma Eberspächer im Jahr 2011 über 250 Mitarbeiter bereits 55 Jahre und älter seien. Dort stelle man schon besorgte Überlegungen an, dass "die uns die Produktivität in den Keller drücken".

Vor diesem Hintergrund wurde vor allem an Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) harte Kritik geübt: "Wenn der doch nur mit 60 in Rente gegangen wäre, dann wäre uns viel erspart geblieben." Ein anderer Arbeitnehmervertreter berichtete enttäuscht von einer Reise zum Arbeitsministerium nach Berlin: "Die haben überhaupt keine Antenne für unsere Probleme. Was die sich dort abhalten, ist eine Katastrophe." Scharf attackiert wurde auch die "Gleichmacherei" der Hartz-Gesetze, wonach Arbeitslose gleich behandelt würden, egal ob sie 40 Jahre gearbeitet oder gefaulenzt hätten.

Der Völklinger IGM-Bevollmächtigte Robert Hiry rief die Gewerkschafter dazu auf, am 21. Oktober gegen die Sozialpolitik in Frankfurt/Main zu demonstrieren. Kostenlose Tickets für die Fahrt zur Demo gebe es auch für Nicht-Gewerkschafter. gf

Saarbrücker Zeitung, 28.09.06

 

Aktuelle Nachrichten
über unseren Newsfeed
 

Newsletter per
Email abonnieren
 

Unsere Videos
auf Youtube
 

Wir sind auch
bei Facebook

Smartphone-App

Link-Tipp

 

Samba Balaawa
Initiative: Respekt - kein Platz für Rassismus
IG Metall Völklingen · Poststraße 33 · 66333 Völklingen