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Demokratie hinter Werkstoren

IG Metall geht kämpferisch in die bevorstehenden Betriebsratswahlen

Von SZ-Redakteur Manfred Krause

Die Industriegewerkschaft Metall schwört ihre Mitglieder auf die Betriebsratswahlen ein. Es gilt, ein Traumergebnis zu verteidigen. Im westlichen Saarland hatte die IG Metall vor vier Jahren 356 von 395 Betriebsratsmandaten erobert, also mehr als 90 Prozent.

Dillingen. Im März wählen die Belegschaften vieler Metallfirmen neue Betriebsräte. Im Vorfeld dieses Urnenganges holte die für das gesamte westliche Saarland zuständige IG-Metall-Verwaltungsstelle Völklingen amtierende Betriebsratsmitglieder- und Kandidaten in der Stadthalle Dillingen zusammen. Die Resonanz war mit fast 300 Besuchern so groß, dass man kurzfristig innerhalb der Veranstaltungsstätte umziehen musste. Beherrschendes Thema des Tages war neben der Betriebsratswahl der Vorschlag von Bundesarbeits- und Sozialminister Franz Müntefering, SPD, den Renteneintritt - schneller als bislang geplant - auf 67 Jahre anzuheben. Diese Idee, die inzwischen im CDU/CSU-Lager Zustimmung findet, trifft auf entschiedenen Widerstand der organisierten Metall-Arbeitnehmer. Robert Hiry, der 1.Bevollmächtigte, und Guido Lesch, sein Vertreter, erhielten in Dillingen großen Beifall, als sie scharf gegen diese Absichten argumentierten. Hiry: "Wir haben einen Kahlschlag in der Sozialpolitik mit noch nie gekanntem Ausmaß. Die Ankündigung, dass die Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre schon für heute 48-Jährige gelten soll, zeigt eindeutig, dass täglich an der Schraube des Sozialabbaus gedreht wird." Lesch: "So einen Unsinn können nur Menschen als Konzeption auf den Tisch gelegt haben, die noch nie in der Stahlindustrie, am Fließband, in der Metallindustrie, im Drei- oder Vierschichtbetrieb gearbeitet haben." Die Funktionäre der IG Metall vermuten, dass es der Politik gar nicht um eine Anhebung des Rentenalters geht, sondern darum, durch die Hintertür Rentenkürzungen zu rechtfertigen. Teils heftige Kritik wurde auch am Verhalten etlicher Arbeitgeber laut. Robert Hiry: "Sie entscheiden, dass Arbeitsplätze vernichtet werden sollen. Aber sie machen sich keine Gedanken darüber, was mit den Menschen und den Existenzen, die damit verbunden sind, passiert." 80 Prozent der Schwierigkeiten, die in Betrieben auftreten, seien auf ein Versagen des Managements zurückzuführen, erklärte der 1. Bevollmächtigte und berief sich dabei auf eine Untersuchung des Unternehmensberatungsinstituts Mc Kinsey.

Hiry ging auf die Entwicklungen an der Saar ein, so auf die Lage bei Ford. Die Unternehmensleitung in Köln habe im Zusammenhang mit der Entscheidung über die Produktion des Focus-Nachfolgers einen "Horror-Forderungskatalog" auf den Tisch gelegt und wolle den Arbeitnehmern "nochmals in die Tasche greifen". Die Entwicklung im Stahlbereich, konkret die Übernahmepläne des indischen Milliardärs Lakshmi Mittal lassen Hiry kalt: "Es gibt für die Belegschaften keinen Grund zur Sorge. Die saarländische Stahlindustrie ist gut aufgestellt."

Von entscheidender Bedeutung bleibe es, dass die Demokratie nicht vor dem Werkstor endet. Deshalb sind die anstehenden Betriebsratswahlen aus Sicht der IG Metall so wichtig. Rückenwind bekommt die Gewerkschaft durch die aktuelle Mitgliederbewegung. Zum Jahresbeginn zählte die Verwaltungsstelle 26334 Mitglieder. Und die Zahl steigt. Im Januar wurden 190 Neuaufnahmen registriert.

Saarbrücker Zeitung, 02.02.2006

 

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