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SZ: Arbeitgeber als gemeinsamer Gegner

von sz-redakteur christoph kiefer

Inhaltliche Berührungspunkte gibt es zwischen den Tarifrunden im öffentlichen Dienst und in der Metallindustrie nicht besonders viele. Es ist der Kampf gegen die Arbeitgeber, der Verdi und IG Metall bei der Mobilisierungsveranstaltung einte.

Saarbrücken. "Gehen Sie bitte Richtung Staatskanzlei weiter, damit die Leute, die noch kommen, nicht auf der Keplerstraße stehen müssen!" Wachsam dirigiert ein Ordner die Demonstranten, die sich auf der westlichen Seite der Ludwigskirche versammeln. Wer will, kann sich vor der Bühne noch ein Streikjacke von Verdi besorgen. "Die sind auch gut gegen den Regen", witzelt der Ordner.
Die Veranstaltung, zu der die Gewerkschaften IG Metall, Verdi und Deutscher Beamtenbund im Saarland am Freitagnachmittag in Saarbrücken aufgerufen haben, ist von Anfang bis Ende durchorganisiert. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Die Maschinerie der Gewerkschaft läuft wie geschmiert. Hunderte Demonstranten wurden zum Teil mit Bussen aus allen Teilen des Saarlandes herbeigefahren.

Ein Meer von Verdi- und IG-Metall-Fahnen weht auf den Ludwigsplatz. Die Beschäftigten machen ihrem Unmut über die Arbeitgeber mit Trillerpfeifen Luft. Rhythmische Trommel-Schläge heizen die Atmosphäre auf. Es riecht nach verbrannten Feuerwerkskörpern. "Die Gewerkschaft ist stark, sie kann mobilisieren und spricht für viele tausend Beschäftigte im ganzen Land: Das wollen Verdi und IG Metall mit ihrem Auftritt demonstrieren", erklärt Verdi-Landesleiter Rolf Linsler später. Einen guten Eindruck von der Heerschau der saarländischen Gewerkschaften soll nicht nur der Leiter des IG Metall-Bezirks Frankfurt, Armin Schild, mitnehmen. Auch die Landesregierung will Linsler beeindrucken. Schließlich hat der Gewerkschaftsboss nach sieben Wochen Streik im öffentlichen Dienst einem Sondierungsgespräch am Sonntag mit Innenministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zugestimmt. Da kommt es darauf an, jedes Anzeichen von Schwäche zu vermeiden.

Im Detail gibt es wenige Berührungspunkte zwischen den aktuellen Tarifverhandlungen von Verdi und IG Metall. Die einen wollen die 40-Stunden-Woche abwenden und verteidigen ihr Weihnachts- und Urlaubsgeld. Die anderen kämpfen für mehr Lohn und Innovationszusagen der Unternehmen. Und doch sehen sich Verdi- und IG-Metall-Mitglieder von den gleichen Gefahren bedroht. "Die Forderung der Landesregierung nach einer 40-Stunden-Woche ist nur ein Vorbote für andere Tarifbereiche", ist Michael Fischer überzeugt. Der Vorsitzende der Vertrauenskörperschaft der Dillinger Hütte rechnet mit einer Lawine, sollten sich die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst durchsetzen. Fischer hat ausgerechnet, dass die Dillinger Hütte 700 Stellen einsparen könnte, wenn die Arbeitszeit in der Stahlbranche von derzeit 35 auf 40 Stunden erhöht würde. Michael Cramer, der mit seiner Frau sowie mit Valentin (14 Monate) und Ronja (zwei Jahre) aus Limbach gekommen ist, gehört zur IG Bau. Er kämpft gegen einen Trend, der viele Arbeitnehmer besorgt. "Meine Kinder sollen später mal Arbeitsplätze haben, von denen sie auch leben können."

Ebenso wie Linsler bedient IG-Metall-Chef Schild die aufgeheizte Stimmung mit klassenkämpferischen Attacken. "Es ist unser Eid, gemeinsam die Arbeitsplatzvernichter zu schlagen", ruft er den Demonstranten zu. Der frenetische Beifall zeigt, dass seine Tonlage ankommt. Eugen Roth, der DGB-Chef im Saarland, ist später in der "Garage" kaum noch zu verstehen. Von seiner Rede dringen nur Wortfetzen durch. Doch das ist jetzt auch nicht wichtig. Am Getränkestand fließt Bier in Strömen, Pfeifen und Trommeln haben die Oberhand. Die Polizei hat die Bleichstraße vor der Veranstaltungshalle gesperrt. Die Ordnungskräfte beantworten die Frage nach der Teilnehmerzahl in Rücksprache mit den Veranstaltern mit 5000 - mehr als erwartet. Aber hier erlaubt die Gewerkschaft Abweichungen von der Regie.

Saarbrücker Zeitung, 25.03.2006

 

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