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Sorge um die Realität hinter den Politikerreden

Delegiertenversammlung der IG-Metall in Roden -
Arbeitnehmer kein "billiger Jakob" der Stahlindustrie

Wenn Politik und Wirtschaft die Gesellschaft aus dem Sozialstaat herausführen, dann will die IG-Metall nicht tatenlos zusehen. Das vermittelte die Verwaltungsstelle Völklingen auf ihrer Delegiertenversammlung in der Rodener Kulturhalle.

Saarlouis-Roden. Kämpferisch, aber auch mit nachdenklichem Blick auf die eigenen Möglichkeiten, ging es gut zwei Stunden lang vor allem um die Bedrohung von Tarifverträgen, sozialer Sicherheit und den Rechten der Arbeitnehmer. "Wir müssen den Menschen schon vor der möglichen Bundestagswahl sagen, was sie danach erwartet", betonte Armin Schild, neuer Bezirksleiter der IG Metall-Region Frankfurt, in seinem Referat. Denn er sorge sich um die Realität hinter den zugkräftigen Politikerreden. "Wenn Frau Merkel sagt, dass Arbeit Vorfahrt hat, dann ist auch Sklavenarbeit gute Arbeit", warnte Schild. Was von einer schrankenlosen Wirtschaft zu erwarten sei, vermittelten die Bevollmächtigten der Verwaltungsstelle Völklingen, Robert Hiry und Guido Lesch an Beispielen wie die Entlassungen bei der Firma Malberg in Saarlouis und die Konzerntaktiken bei Drahtcord Merzig. Damit einhergegangen seien jeweils gravierende Nachteile für die Beschäftigten. In anderen Fällen sei durch das Engagement starker Betriebsräte und konsequente Gewerkschaftsarbeit trotz Entlassungen manches an Verbesserungen möglich gewesen. So bei Johnson Controls Headliner in Überherrn und Homanit in Losheim.

385000 Euro werden nun durch eine Gewinnbeteiligung für die Mitarbeiter von Homanit verfügbar gemacht, erläuterte der erste Bevollmächtigte Robert Hiry. 2003 habe sich die Firma noch in großen finanziellen Schwierigkeiten befunden. Zusammen mit IG Metall und Betriebsrat waren daraufhin Verhandlungen begonnen worden. Die Belegschaft verzichtete 2003 und 2004 auf einen Teil der Jahressonderzahlung sowie des Urlaubsgelds, um Arbeitsplätze zu sichern. Am 25. Mai dieses Jahres fanden erneut Gespräche zwischen Homanit und IG Metall über die Gewinnbeteiligung statt. Für jeden Beschäftigten werden im Oktober dieses Jahres 1100 Euro Gewinnbeteiligung ausgezahlt, diesen Betrag gibt es noch einmal im Februar 2006. "Darüber hinaus bekannte sich der Geschäftsführer der Firma eindeutig zum Standort Losheim", berichtete Hiry. Als Reaktion auf den Zustand der Republik forderte Robert Hiry unter lautstarker Zustimmung der 110 Delegierten: "Wir dürfen das politische Geschehen nicht anderen überlassen." Deshalb müsse die IG Metall auch über Tariffragen hinaus tätig werden.

Heiße Wochen könnten auf das Saarland zukommen, falls die Ergebnisse der Tarifverhandlungen in der hiesigen Stahlindustrie nicht den enormen Gewinnen entsprechend ausfielen. Denn die Arbeitnehmer im Saarland sollen laut Hiry nicht zum "billigen Jakob" der Stahlindustrie werden. az

Saarbrücker Zeitung, 27.06.2005

 

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Samba Balaawa
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