Das Online-Angebot der IG Metall Völklingen

"Arbeiten bis zum Umfallen?"

Von SZ-Redakteur Harald Knitter

Die IG Metall und der SPD-Sozialpolitiker Ottmar Schreiner rufen zum Kampf gegen das Gesetz zur "Rente mit 67" auf. Peter Altmaier setzt mit der CDU auf höheres Eintrittsalter und mehr Wirtschaftskraft.

Dillingen. Dass die Schreckensvision wahr wird, wollen alle verhindern, doch der Gesetzentwurf zur "Rente mit 67" trennt ihre Wege. "Geht die Entwicklung so weiter, bekommen wir massenhafte Altersarmut", sagte Ottmar Schreiner (SPD) beim Neujahrsempfang der Industriegewerkschaft Metall (IGM), Verwaltungsstelle Völklingen, am Montagabend. "Es muss das Ziel sein, ein Gesetz zu Fall zu bringen, das die Menschen schädigt." Peter Altmaier (CDU) setzte dagegen: "Ich habe es schon 1998 hier in der Dillinger Stadthalle gesagt. Bei der Rente führt kein Weg an demografischem Faktor und höherem Eintrittsalter vorbei. Man muss aber überlegen, was zu tun ist, damit der menschenunwürdige Zustand endet, dass man mit 50 Jahren zum alten Eisen gehört."

Die beiden Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Saarlouis waren bei der IGM zum Streitgespräch. "Wir haben nur Vertreter der Großen Koalition eingeladen, weil nur sie das Thema noch vom Tisch fegen können", erklärte Guido Lesch vom Ortsvorstand. Eine Woche zuvor hatten rund 7000 Gewerkschafter am Saarlouiser Röderberg eine bundesweite Protestaktion gegen das höhere Rentenalter gestartet. "Die Demonstranten finden jetzt Nachahmer in der ganzen Republik", sagte Lesch. Vorstandskollege Robert Hiry betonte, das höhere Eintrittsalter bedeute "Arbeiten bis zum Umfallen", denn in der körperlich harten Metallbranche liege der Renten-Eintritt im Mittel bei 60,5 Jahren. Stiegen Altersschnitt der Belegschaft und Leistungsdruck, sei die Produktivität auf Dauer nicht zu halten.

Betriebsräte berichteten aus ihren Firmen. "Vielen ist bewusst, dass eine Arbeit in ihrem Knochenjob bis 67 unmöglich ist. Schon-Arbeitsplätze gibt es nicht mehr", sagte Erik Ehlen (Saarstahl, Völklingen). Astrid Pentel-Tilk (Johnson Control, Überherrn) merkte an: "Bei uns haben die Frauen über 50 alle Ausfallerscheinungen oder Fingeroperationen." Könne das höhere Rentenalter nicht erreicht werden, laufe das Gesetz auf eine "verkappte Rentenkürzung" hinaus, sagte Hiry.

Lautstark machten die rund 350 Gäste ihrem Unmut Luft. Die Politiker hielten mit kräftiger Stimme dagegen. "Die Politik reagiert nur auf Druck", räumte Schreiner ein, der Kurswechsel von Teilen der SPD-Fraktion mit Franz Müntefering an der Spitze "schwer nachvollziehbar". Bliebe die bisherige Altersgrenze, stiege der Beitragssatz zur Rentenversicherung von 22 Prozent bis 2027 lediglich um 0,4 Punkte an. Er forderte, die Solidarbasis zu verbreitern, so dass alle Erwerbstätigen einzahlen müssen. Altmaier hingegen setzt darauf, mit möglichst geringen Lohnnebenkosten über "mehr Wachstum und mehr Arbeitsplätze" den Finanz-Engpass zu entschärfen.

Auf einen Blick

Die Verwaltungsstelle Völklingen umfasst mit dem Gebiet bis Merzig-Wadern das halbe Saarland und ist mit 26600 Mitgliedern die zweitgrößte im IG Metall-Bezirk Frankfurt, zu dem außer dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen gehören. Bei den jüngsten Betriebsratswahlen erreichten die Vertreter der IGM bei einer Wahlbeteiligung von 89 Prozent rund 94 Prozent der Mandate.

Saarbrücker Zeitung, 25.01.07

 

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